Carnet de Passage: die einfachste Anleitung für deine Weltreise


Wer eine Motorrad Weltreise, oder eine Weltreise mit dem eigenen Auto plant, der kommt nicht an dem garstigen Carnet de Passage vorbei. Das Carnet de Passage ist ein internationales Zolldokument, das vom ADAC ausgestellt wird. Kurz gesagt soll es sicherstellen, dass du das Auto zum eigenen Gebrauch, nämlich für die Dauer der Reise, einführst und dann auch gefälligst wieder ausführst und nicht heimlich unterwegs verkaufst. Kurzum ist es ein dicker Stapel sehr wichtig aussehender Blätter, die du an den Grenzen vieler Länder vorzeigen musst, weil sie bei Ein- und Ausreise abgestempelt werden müssen. In diesem Artikel zeigen wir dir in Kürze, inklusive einer einfachen Checkliste mit allen nötigen Schritten am Ende, wie du dir dein eigenes Carnet besorgst und nichts vergisst.

Für folgende Länder besteht Carnet de Passage Pflicht

Asien:

Brunei, Indien, Indonesien, Iran, Japan, Malaysia, Kuwait, Katar, Nepal, Oman, Pakistan, Singapur, Sri Lanka, Thailand, Vereinigte Arabische Emirate, *Mongolei (bei Ein- und/oder Ausreise per Spedition/als Fracht)

Ozeanien:

Australien & Neuseeland

Afrika:

Ägypten, Botswana, Burundi, Kenia, Lesotho, Libyen, Malawi, Namibia, Südafrika, Senegal,

Sudan, Swasiland, Tansania, Uganda.

Südamerika:

Kolumbien, Peru, Ecuador, Venezuela.

Was kostet ein Carnet de Passage?

Die Bearbeitungsgebühr für Mitglieder beträgt 210 Euro. Wenn du kein Mitglied bist, zahlst du mit 310 Euro glatte 100 Euro mehr. Da eine Jahresmitgliedschaft deutlich günstiger ist als die 100 Euro extra, solltest du Mitglied werden, falls du es noch nicht bist. Hier kannst du deine Mitgliedschaft beantragen. Nach der Beantragung des Carnet de Passage kannst du deine Mitgliedschaft auch wieder kündigen, wenn du das Geld sparen willst. Hier kannst du direkt kündigen. Wir haben die ADAC Plus Mitgliedschaft jedoch behalten und fühlen uns damit besser. Deine Entscheidung.

Die lästige Kaution

Hinzu kommt leider eine garstige Kaution, in unserem Fall für das eine Motorrad glatte 3000 Euro. Wenn dein Motorrad mehr wert ist als unsere Ténéré es war, was schnell der Fall sein kann, wirst du wahrscheinlich 5000 Euro hinterlegen müssen. Die Kaution soll sicherstellen, dass du das Motorrad oder Auto während deiner Weltreise nicht verkaufst. Bist du wieder zuhause, bekommst du die Kaution für das Carnet zurück.

Bürgschaft statt Kaution?

Wenn du wie wir die 5000 Euro lieber in deiner Reisekasse behalten möchtest, kannst du auch eine Bankbürgschaft bei der Bank deines Vertrauens beantragen – der ADAC akzeptiert das. Hat bei uns wunderbar funktioniert. Viele Blogs sagen, keine Bank stelle mehr eine Bürgschaft aus für ein Carnet, doch das stimmt nicht. Auch, dass Bankbürgschaften nur für hohe Beträge ausgestellt werden stimmt nicht. In unserem Fall hat es die Volksbank gemacht (3000 Euro Kaution) und die Sparkasse hätte es auch getan. Die Frage ist, wie lange du Kunde bist und ob du immer im Minus bist, oder immer eine ordentliche Bilanz hattest (wie viel Kontostand ist kaum entscheidend, eher ob es schwarze Zahlen waren). Frag also deine Bank – die Chancen sind größer als du denkst.

Die Kaution zurückbekommen

Wenn du keine Bankbürgschaft bekommen haben solltest, willst du natürlich nach deiner Reise schnellstmöglich deine Kaution zurückhaben. Das ist sehr einfach: Direkt bei Einreise nach Deutschland, die Zöllner inspizieren dein Motorrad oder Auto (geht schnell) und dann füllen sie die Verbleibebescheinigung auf der letzten Seite des Carnet de Passage aus. Damit ist dein Fahrzeug legal zurückgeführt und du kannst das Carnet zurück an den ADAC schicken. Das Geld bekommst der als Scheck, oder innerhalb von 14 Tagen auf dein Konto (wenn du es angibst) zurück.

Gültigkeit und Verlängerung des Carnet de Passage

Leider ist das Carnet nur ein Jahr lang gültig, also erst beantragen, kurz bevor du dich auf dein Motorrad oder in dein Auto setzt und wirklich losfährst. Nach einem Jahr musst du ein neues Carnet mit beantragen und zwar per Originalantrag. Also am besten schon einen neuen Antrag vorbereitet in der Schublade liegen haben, damit Freunde oder Familie daheim es auf deinen Anruf hin abschicken können. Dann erneut die Bearbeitungsgebühr überweisen (195 Euro als Mitglied, 295 ohne Mitgliedschaft). Die Bürgschaft wird einfach weiter übernommen, keine Sorge. Das Carnet de Passage wird dann an eine deutsche Adresse geschickt, am besten wieder an Familie oder Freunde senden lassen, die es dann zu dir in die Welt schicken müssen. Wir empfehlen dir, es an die nächste Botschaft schicken zu lassen, zu der du Zugang hast. Ein Hotel, eine Poststation oder die Adresse deines Couchsurfing Gastgebers (die vielleicht beste Variante), sind gute Alternativen.

In 7 einfachen Schritten zum Abhaken zu deinem eigenen Carnet de Passage

1.      Sieh dir deine Reiseroute genau an und ermittle, ob die von dir ausgewählten Länder ein Carnet de Passage überhaupt verlangen

2.      Beantrage eine ADAC Mitgliedschaft, oder nimm deine Mitgliedskarte zur Hand

3.      Lade HIER den Antrag für das Carnet de Passage herunter

4.      Wirf einen Blick auf die Kautionstabelle, ermittle den Zeitwert deines Motorrads oder Autos und schau, welche Kautionshöhe dafür festgelegt wurde

5.      Bitte deine Bank um eine Bürgschaft, argumentiere mit guter Kontoführung oder langer Zeit als Kunde und bring zum Termin die Bankbürgschaftserklärung des ADAC mit (Teil des Antrags)

6.      Diese Unterlagen braucht der ADAC, damit der Antrag vollständig ist:

·        4-seitigen Antrag

·        Bankbürgschaft (ADAC Formular) oder Einzahlungsbeleg der Kaution

·        Kopie der Zulassungsbescheinigung

·        Kopie einer Automobilclub Mitgliedskarte oder deine ADAC Mitgliedsnummer

·        Kopie deines Reisepasses oder Personalausweises

7.      Füll den Antrag für das Carnet aus und prüfe ihn erneut gut (siehe Checkliste oben). Wähle als Gültigkeitsdatum einen möglichst späten Termin, am besten deinen Abreisetag aus, hefte Unterlagen bei und schicke alles mit den ersten 4 Seiten des Antrags an folgende Adresse:

 

ADAC e.V.

Grenzverkehr (GVK)

Hansastr. 19

80686 München

 

 

Das war’s auch schon. Wenn du noch Fragen oder Anregungen und Verbesserungsvorschläge hast, schreib’s in die Kommentare!

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Kommentare: 2
  • #1

    Kai oder mtk777 (Montag, 27 März 2017 13:13)

    Gut gemacht Ben, füge nur Mongolei dazu. Der ADAC sagt zwar nein brauchst du nicht, aber wenn du mit Frachtflieger einreist, brauchst du es, bzw die Spedition.

  • #2

    Elli&Ben (Dienstag, 28 März 2017 01:03)

    Hallo Kai,

    danke für den Hinweis, das stimmt tatsächlich, auch für die Ausreise per Spedition.

    Vielen Dank und allzeit gute Fahrt,

    Elli &Ben