Erfahrungen von den Profis: Vier echte Abenteurer geben dir ihre wertvollsten Tipps zum Pamir Highway

Mit dem Motorrad über den legendären Pamir Highway, die zweithöchste Fernstraße der Welt – das war bis heute unser schönstes, krassestes und eindringlichstes Erlebnis. Ein echtes Abenteuer. Der Pamir Highway zählt noch immer zu den Perlen für echte Abenteurer, da zwischen den 7000er Zinnen des Pamir Gebirges noch immer keine touristische Infrastruktur besteht. Doch er wird zurecht populärer: Ob du mit dem Motorrad oder Fahrrad über den Pamir Highway fährst, hier erwartet dich die volle Ladung Natur, Abgeschiedenheit und Freundlichkeit der Einheimischen. Falls du Informationen zu Visas, der Sicherheit vor Ort, Land und Leuten benötigst, findest du alles was du wissen musst hier. Damit dein eigener Trip nach Tadschikistan zum bestmöglichen Abenteuer wird, haben wir vier befreundete Abenteurer und Blogger, die wir unterwegs getroffen haben, nach ihren Geheimtipps zum Pamir Highway gefragt. Sie geben dir jeweils drei Empfehlungen für Orte, die du auf jeden Fall gesehen haben solltest und drei Tipps, die du unbedingt befolgen solltest, damit deine Reise einzigartig wird. Wir wünschen dir viel Spaß beim Lesen und die bestmöglichen Erfahrungen auf dem Pamir Highway!

 

Wenn dir ihre Tipps genauso gut gefallen haben wie uns, folge doch ihren spannenden Abenteuern um die Welt. Links zu ihren Blogs haben wir in ihre jeweiligen Beiträge eingefügt!


1. Lea Rieck – alleine auf einer Tiger 800 um die Welt

Wir verabschieden Lea aus unserem Guest House in Osch, Kirgisistan und sind traurig, dass sie fährt!
Wir verabschieden Lea aus unserem Guest House in Osch, Kirgisistan und sind traurig, dass sie fährt!

Lea haben wir in Osh, Kirgisistan getroffen, kurz nachdem sie ihren Trip über den Pamir Highway beendet hatte. Wir waren überwältigt von ihren herausragenden Fotos und ihrem Mut, als Frau alleine um die Welt zu fahren. Sie ist nicht nur eine tolle Abenteurerin, sondern betreibt einen äußerst erfolgreichen, englischsprachigen Blog auf www.got2go.de!

1. Ort: Yamchun Fort und Bibi Fatima Quellen

Fährt man die Route über das Wakhan Valley, kann man von Tuggoz aus einen Abstecher über eine kleine 6 Kilometer Haarnadelkurven Straße machen und sich die Ruinen des Yamchun Forts anschauen, das auf ca. 300 v. Chr. datiert wird. Folgt man der Straße ein kleines Stück weiter wird man dort für die Mühen eines langen Tages belohnt: Ein Bad in den heißen Bibi Fatima Quellen fühlt sich besser an als jedes Spa und danach kann man in die Betten des Hostels gegenüber sinken.

2. Ort: Khargush Pass

Vom Wakhan Valley bin ich über Khargush wieder zurück auf die M41 gefahren – dieser Pass war für mich die schönste Strecke meiner Tadschikistan Reise. Die Strecke windet sich entlang steiler Felsklippen und auf einer Mondähnlichen Hochebene.

3. Ort: Qalai Husein

Dieses Dorf ist wahrscheinlich eher ein persönliches Highlight als ein wirklicher Tipp: Wir wurden vom Gewitter überrascht als wir diesen ersten Teil des Pamir Highways gefahren sind – und haben dort Unterschlupf in einer Moschee gefunden, obwohl gerade der Fastenmonat Ramadan zu Ende ging und das ganze Dorf und Umgebung anwesend waren. Tadschikische Gastfreundschaft at its best.

1. Tipp: Ersatzschläuche mitnehmen

Die meisten Motorradreisenden haben sie sowieso dabei, aber mir sind in Tadschikistan ein paar besondere Exemplare begegnet. Auf dem Pamir Highway einen platten Reifen zu bekommen ist mehr Gang als Gebe – und wenn dabei auch der Schlauch mit aufgeschlitzt ist, kann das Ganze oft schwer reparierbar sein, wenn man keinen Ersatzschlauch dabei hat. Ich habe meinen am Ende an einen anderen Motorradfahrer verschenkt, weil er sonst nicht mehr weitergekommen wäre. 

2. Tipp: Lass dir von Erbrechen und Durchfall nicht die Reise verderben!

In Tadschikistan erwischt es fast jeden – sei es wegen der Belastung durch die Höhe oder einfach wegen ungewohnter Nahrung. In neun Monaten Reise hatte ich genau eine Lebensmittelvergiftung – auf dem Pamir Highway. Am besten einfach auskurieren und bei Durchfall zum Beispiel mit „Perenterol“ nachhelfen. Man munkelt außerdem, dass das Fahren mit dem Motorrad auf ruckeligen Schotterstraßen gut für einen geplagten Magen Darm Trakt sein soll…

3. Tipp: Viel Zeit einplanen

In Regionen wie Zentralasien kommt es als Individualreisender oft anders als man denkt. Vielleicht wird man von einer netten Familie eingeladen oder hat eine Panne. So oder so sollte man mehr Zeit einplanen, als einem die Streckenplanung durch Google Maps vorgaukelt. Ich hatte zunächst 6 Tage veranschlagt – am Ende waren es bis Osh ganze 10.


2. Au Hei Yan – der Pamir Highway im Winter! Per Fahrrad!

Au Hei Yan treffen wir in Konya, Türkei und kleben an ihren Lippen, als sie von ihrem Pamir Erlebnis berichtet. Eine echte Abenteurerin!
Au Hei Yan treffen wir in Konya, Türkei und kleben an ihren Lippen, als sie von ihrem Pamir Erlebnis berichtet. Eine echte Abenteurerin!

Hei Yan haben wir in der Türkei, in Konya getroffen und genau wie Lea sofort ins Herz geschlossen. Sie reist auch als Frau alleine um die Welt, allerdings auf einem Fahrrad. Direkt nach der Uni hat sie sich auf den Sattel geschwungen um von ihrer Heimat Hong Kong aus Europa zu erreichen. Den Pamir Highway hat sie kurzerhand im Winter bezwungen, in knietiefem Schnee, weil sie eben zu genau dieser Zeit dort war.

1. Ort: Karakul See

Wenn du von Kirgisistan kommst, erwartet dich relativ schnell nach dem Grenzübergang auf über 4.000 Metern der Karakul See. Der See ist nicht nur umwerfend schön, auch die wenigen Menschen, die in seiner Nähe wohnen, waren extrem gastfreundlich und gesprächig, obwohl wir uns mit Händen und Füßen verständigen mussten. Ich wurde hier mehrfach in ihre Häuser eingeladen, um mich am Feuer aufzuwärmen und Tee zu trinken. Meistens wurde ich auch zum Übernachten eingeladen.

2. Ort: Der Container Markt in Murghab

Wenn du den Ak-Baital Pass überquert hast, kommst du irgendwann nach Murghab, einer nach tadschikischen Verhältnissen großen Stadt, die einen eigenen Markt besitzt, auf dem aus alten Schiffscontainern verkauft wird. Hier kannst du deine Schokoladenvorräte aufstocken. Außerdem gibt es hier sehr gute Kebabs zu essen und das einzige „Hotel“ auf der Strecke, in dem es sogar warmes Wasser zum Duschen gibt.

3. Ort: Die gesamte Route

Klingt vielleicht doof, ist aber so: Du solltest nicht nur Abschnitte fahren, sondern die gesamte Länge des Highways, da die Art der Schönheit variiert, nicht jedoch die Intensität. Es gibt so viele Dinge am Wegesrand zu entdecken, dass du nichts verpassen solltest. Die Ausblicke sind jeden Tag und zu jeder Zeit atemberaubend.

1. Tipp: Bereite dich gut vor!

Du solltest dich im Vorfeld deines Trips sehr gut durch Recherchen vorbereiten. Lies Blogs, sprich mit Reisenden unterwegs und halte dich über die aktuellen Wetterverhältnisse auf dem Laufenden. Du musst wissen, wie viele Tage du keinen Zugang zu Wasser haben wirst (im Winter hilft der Schnee), wo du Nahrungsmittel kaufen kannst und welche Kleidung du im Winter brauchst. Also recherchiere viel und mach dir viele Gedanken über die ideale Ausrüstung.

2. Tipp: Such den Kontakt zu Einheimischen und anderen Reisenden!

Ob in Osh, Duschanbe oder Khorog: Das sind die „Hotspots“ vor, bzw. mitten auf dem Highway, wo du andere Reisenden treffen kannst oder Einheimische, die etwas Englisch sprechen. Tausche dich mit ihnen aus und nimm dir ihre Tipps zu Herzen. Sie wissen häufig, wo du Schutz finden kannst, haben vielleicht einen Kontakt mit Telefonnummer, der dir aus der Patsche helfen könnte, oder ein Wundermittel gegen Durchfall. Außerdem können sie dir aktuelle Infos zu den Straßenverhältnissen geben.

3. Tipp: Genieße den Moment, aber sei vorsichtig!

Mach dir keine Sorgen sondern genieße jeden Moment der Reise. Sei aber gleichzeitig wachsam, denn die Abgeschiedenheit des Pamir Highway bestraft jeden, der dieses Abenteuer nicht respektiert und sich überschätzt. Lass es ruhig angehen, gehe nicht über deine Limits und sei generell vorsichtig, dann wirst du eine gute Zeit haben.


3. Peter und Leonie: From Amsterdam to Anywhere

Peter und Leonie haben wir in Khorog in der Pamir Lodge getroffen, als wir staunend vor ihren 250er Hondas standen. Wir hatten oft überlegt, dass das doch die idealen Reisemotorräder sind: Leicht, geländegängig, stabil. Diese zwei Niederländer haben es uns gezeigt: Drei Jahre Reisen sie auf ihren Motorrädern um die Welt und haben sich sofort in die raue Schönheit des Pamir Highway verliebt. Sie betreiben einen Blog mit hammer Fotos auf http://amsterdamtoanywhere.nl/en/ - auch auf Englisch. Sie gehören außerdem zu den wenigen, die sich auf die härteste Piste des Pamirs gewagt haben: Das Bartang Tal!

1. Ort: Das Bartang Tal – unsere Nr.1 des Pamir Highway!

Das Tal erstreckt sich vom Karakul See im Nordosten Tadschikistans bis nach Rushon im Südwesten. Das extrem abgeschiedene und raue Tal kann aufgrund der Straßen- und Witterungsverhältnisse nur im Sommer durchquert werden. Eine leichte Enduro oder ein Allrad-Jeep sind hier ein absolutes Muss!

2. Ort: Das Wakhan Tal

Ein Ort, der für jeden Pamir Interessierten ganz oben auf der Liste stehen sollte: Das Wakhan Tal im Süden Tadschikistans an der Grenze zu Afghanistan. Eine wunderschöne Szenerie, tolle Menschen und ein umwerfender Ritt entlang des Grenzflusses Pandsch.

3. Ort: Die M41 – der eigentliche Pamir Highway

Die berühmte LKW-Route durch das Pamir Gebirge, direkt durch das Herz der Berge beschert dir gleich mehrere hohe Pässe. Im wahrsten Sinne des Wortes ein „Highway“, wo du denkst, du fährst auf dem Dach der Welt.

1. Tipp: Geh und nimm Kontakt zu den freundlichen Einheimischen auf!

2. Tipp: Nimm genügend Batterien für deine Kamera(s) mit – Strom ist hier Mangelware!

3. Tipp: Lass dir Zeit – Pamir ist zu schön, um zu hetzen!


4. Tom Kisters – Mit dem Fahrrad von Holland nach Singapur

Durch Zufall auf dem Pamir Highway wieder getroffen: Was für eine tolle Überraschung!
Durch Zufall auf dem Pamir Highway wieder getroffen: Was für eine tolle Überraschung!

Tom haben wir das erste Mal in Teheran bei einem gemeinsamen Couchsurfing Host getroffen und uns sofort angefreundet. Lustig: Tom mag Fahrradfahren eigentlich gar nicht, wollte aber eine Veränderung in seinem Leben und dachte sich, er fährt einfach nach Singapur und sucht sich dann am anderen Ende der Welt eine Arbeit. Kurios: Auf dem Pamir Highway treffen wir ihn in Khorog zufällig wieder! Fotos und Berichte (auf Englisch) über seinen Trip findet ihr auf seinem Blog: https://thisistomworldwide.wordpress.com

1. Ort: Die Pamir Lodge in Khorog

Die Pamir Lodge ist ein rustikal-schickes Hostel an der M41, mitten in Khorog. Hier kehren so gut wie alle Pamir Abenteurer ein, besonders Fahrrad- und Motorradfahrer. Hier werden Geschichten ausgetauscht, wird zusammen am Durchfall gelitten und zusammen gegessen und getrunken. Jeder der hierher kommt, bleibt am Ende länger, ob freiwillig oder als Resultat der Umstände. Aber: Alle Gäste sind hier eine große Familie aus echten Abenteurern.

2. Ort: Die Hügel vor Murghab

Kurz bevor du Murghab erreichst, wirst du mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Der Blick auf das Tal hat mir im wahrsten Sinne den Atem geraubt und mich für alle Widrigkeiten entschädigt. Die vielleicht schönste Aussicht meiner gesamten Reise.

3. Ort: Das Niemandsland zwischen Tadschikistan und Kirgisistan

Zwischen den beiden Ländern befindet sich ein ziemlich breiter unbewohnter Streifen fabelhafter Natur. Dieses Niemandsland lädt mit unwiderstehlicher, unberührter Natur zum Campen ein. Es wechseln sich zerklüftete Bergketten mit grünen Tälern ab, während du Wildpferden beim Grasen zusehen kannst. Vergiss also nicht, ab und zu zurück zu blicken.

1. Tipp: Kauf dir Jod um dein Trinkwasser zu reinigen!

Wasser findest du zwar überall und es ist auch sehr günstig. Allerdings solltest du dir vorher ein oder zwei kleine Flaschen Jod besorgen, um es nachträglich zu reinigen und nicht krank zu werden: Frag in einer Apotheke nach Jod (russisch: Йод) und warte eine halbe Stunde, bevor du das gereinigte Wasser trinkst.

2. Tipp: Bereite dich auf krasse Temperaturunterschiede und Nahrungsmittelknappheit vor!

In diesen Höhen ist das Wetter unberechenbar. Arrangiere deine Ausrüstung für den Pamir Highway so, dass du schnell eine warme Jacke zur Hand hast. Außerdem solltest genügend Essen bunkern, da gerade zwischen Murghab und Osch nur wenige Einkaufsmöglichkeiten bestehen und wenn dann nur ziemlich ekliges Zeug. Kombiniere Brot mit Ketchup („Breadchup“) und nimm genügend Gewürze mit, um die ansonsten sehr langweilige lokale Küche aufzupeppen.

3. Tipp: Osch ist dein Walhalla!

In Osch wartet deine Fahrradfahrer-Familie auf dich und zwar im TES Guesthouse. Hier bekommst du alles was du lange vermisst haben wirst. Zum Beispiel Burger und eine echt gute Pizza!


Weiterführende Links mit mehr Informationen

Pamir per Yak? Gibt's auf Bergzeit.de!

Wir hoffen euch konnten diese vier Beiträge von unseren erfahrenen Weltreise-Freunden bei eurer eigenen Planung weiterhelfen und danken unseren Gastautoren für ihre tollen Tipps und Erfahrungen!

 

Du hast Fragen zu einzelnen Punkten oder du brauchst zu einem bestimmten Thema im Zusammenhang mit dem Pamir Highway Hilfe? Schreib es uns in die Kommentare!

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