Welches Motorrad für eine Weltreise?

Tja, das ist natürlich die Frage aller Fragen und ungefähr so leicht zu beantworten wie: „welche Frau soll ich fürs Leben wählen?“. Von der Wahl des „richtigen“ Motorrads hängt letztendlich das Gelingen deiner Reise, der Spaß den du dabei hast und das Geld was du ausgibst ab. Es gibt tolle Leute, die mit einer Harley die Welt umrundet haben, mit einer Yamaha R1, oder mit einer Vespa. Das ist toll und wenn du bereits dein Lieblingsmotorrad gefunden hast, ist dieses genau richtig für dich und je nach Durchhaltevermögen ist damit alles machbar. Wenn du jedoch unsicher bist, für welches Motorrad du dich entscheiden sollst, ist das hier ein Artikel für dich, der dir eine Orientierung geben kann. Während viele andere Blogs sich verständlicherweise in Allgemeinplätze wie „alle sind toll“, halten wir von solchen „Tipps“ rein gar nichts. Natürlich stößt man damit keinem Leser vor den Kopf, weil ja „alle toll“ sind und so verstehen wir die anderen Blogger auch, wenn sie versuchen sich nicht zwischen die Stühle zu setzen. Trotzdem haben wir eine sehr klare Meinung über das richtige Reisemotorrad und werden dir auch ein exaktes Modell nennen. Natürlich handelt es sich dabei um unsere bescheidene Meinung und unsere eigenen Eindrücke und Erfahrungen aber wir möchten versuchen dir unser Fazit so detailliert wie möglich zu erklären.

Schweres Reisesofa oder leichter Eintopf?

Wenn du jetzt denkst, dass wir die Löffel zücken und „Eintopf!“ schreien, weil wir selbst auf einem unterwegs sind bzw. waren, müssen wir dich enttäuschen. So einfach ist es nicht. Eine schwere 1200-Kubik-Maschine hat durchaus ihre Vorteile, zumindest, wenn du nur Asphalt fahren möchtest. Den Mythos des 120-PS Dickschiffs, das leicht wie ein Trail-Bike durch die Rabatten flitzt, konnten wir leider nicht bestätigt finden. Dieser Punkt scheint aktuell ja auch ein Hauptstreitpunkt unter Motorradreisenden zu sein. Wir haben einige Großenduros scheitern sehen auf unserem Weg, da sie einfach zu schwer und viel zu sperrig waren. In BMWs oder KTMs Marketingbemühungen sieht das natürlich ganz anders aus, wenn sie Chris Birch durch die Wüste schicken und dabei beeindruckende Fotos knipsen. Klar, das sind tolle Motorräder, die top ausbalanciert sind, viel Leistung und Komfort bieten – aber sie sind für den normalen Fahrer trotzdem zu schwer und zu sperrig und eher für die Straße oder leichte Schotterpisten konzipiert. Von den Menschen auf Großenduros, die wir auf dem Pamir getroffen haben, hat sich niemand auf die schwierigere Südroute getraut, weil sie die Limits ihrer Maschine kennenlernen mussten. Selbstverständlich heißt das nicht, dass es unmöglich ist und gute Fahrer bekommen das sicherlich gebacken, aber wir haben auch eine Reisende getroffen, die ihr Motorrad dort nicht bewegen konnte und es von einem anderen Fahrer bewegen lassen musste. Generell gilt hier einfach: ein leichteres Motorrad mit kleineren Ausmaßen ist im Gemüse leichter zu kontrollieren und stabiler einsetzbar – damit erhöht sich die Chance einer spaßigen Angelegenheit zwischen Geröll und Sand um ein Vielfaches.

Also doch der leichte Eintopf. Die Kritikpunkte sind hier häufig Vibrationen, nicht genug Leistung, fehlender Komfort und Reparaturanfälligkeit. Aber: Niemand beginnt eine Motorrad Weltreise, ohne dem eigenen Bock die ein oder andere Maniküre zu spendieren. Und all diese Kritikpunkte lassen sich mit einfachsten Zubehörprodukten beseitigen: Neue Sitzbank drauf und einen konifizierten Crosslenker für mehr Sicherheit und perfekte Haltung einbauen, die Übersetzung der Kette etwas verkürzen und die häufigsten Fehler des Modells beseitigen. Das ist auch schon der nächste Punkt: Kauf dir einen etwas älteren Einzylinder, der ausgereift ist mit großer Fangemeinde, die genau weiß was zu tun ist. Zwei Modelle kommen uns da in den Sinn: Die XT Reihe und die Suzuki DR650. Beides sind ausgereifte Modelle mit Historie, die sich bewährt haben und vielen Fans und Schraubern, die dir gerne helfen. Die XT ist also eine gute Wahl, auch wenn wir heute eine ältere Version und die „R“-Enduro Version nehmen würden, mit der Ben deutlich mehr Erfahrung hat. Doch eine Maschine finden wir noch geeigneter, es ist die DR650, die wir mehrfach live und in mehreren Set-Ups erleben durften, auch für längere Zeit.

Warum eine Suzuki DR650, oder ein vergleichbares Modell?

Sicher: auch eine XT könnte den Job machen und wir lieben XTs. Es war eine hart zu schluckende Pille, bis wir uns für die DR ausgesprochen haben. Doch das hat Gründe: Sie wiegt nur knapp 170 Kilogramm, ist einfach und günstig modifizierbar, kommt mit großer Bodenfreiheit und ausreichenden 45 PS daher. Außerdem ist die Ersatzteilversorgung recht entspannt, weil man fast alles an diese Suzi dranbauen kann. Und nochmal: 45 PS sind für eine Weltreise sogar mit viel Gepäck mehr als ausreichend. Der Leistungswahn in der Heimat ist außerhalb Europas fehl am Platz. Wir sind mit 48 PS losgefahren, zu zweit mit Gepäck und hatten nie das Gefühl untermotorisiert zu sein, sei es im Gelände oder auf ausgedehnten Autobahnetappen. Zusätzlich spricht für die DZ, dass man als Käufer sofort herausbekommt, wo die Schwachstellen des Modells liegen, während man bei modernen Exemplaren immer auf die ersten 10 Rückrufaktionen der Hersteller warten kann. Unser zeitweise mitreisender Kumpel Zach hat seine DR650 für 1500 € gekauft, und etwa 1000€ in Extras hineingesteckt. Dazu gehörten ein 32 Liter Tank von Safari, ein Softbag-Gepäcksystem, ein neues Windschild mit Extrascheinwerfern, neue Komfortsitzbank, Gelbatterie, Edelstahlkrümmer, ein neuer Lenker und ein bisschen Krams hier und da. Perfektes Bike, tolles Handling, wenig Gewicht, ausreichend Leistung und überall reparierbar. Wenn er unterwegs Probleme hatte, konnte jeder Feld-Wald-und-Wiesen-Schrauber sein Schätzchen wieder auf Vordermann bringen. Schon bei unserer recht einfach gestrickten Ténéré ein Ding der Unmöglichkeit. Oh und noch einmal zu den Großenduros: Wir trafen in Kasachstan einen entnervten GS-Fahrer, dessen Federbein gebrochen(!) war. Ein neues Federbein war zwar zu beschaffen mit dem nötigen Kleingeld und Geduld, aber das Einbauen geht nur in einer BMW-Werkstatt mit der nötigen Software(!). Er ist schließlich auf eine DR650 umgestiegen… :-)!

Also, wenn du Fan einer bestimmten Marke oder Maschine bist, hast du jetzt möglicherweise Schaum vorm Mund und du solltest definitiv mit deiner Lieblingsmaschine fahren, das ist in dem Fall die richtige Entscheidung. Wenn du jedoch unentschlossen bist und planst neben Asphalt auch Geländestrecken zurückzulegen, sind dies unsere fünf Cent zum Thema Motorradwahl: Kauf dir eine gebrauchte DR650, steck ein bisschen Geld für Umbauarbeiten hinein, kauf dir ein Softbag-System (wir werden nie wieder mit Koffern fahren), das deutlich Gewicht spart, einfacher zu händeln ist, wasserdicht ist und bleibt, gute Diebstahlsicherung bietet und keine Beulen bekommt. Am Ende hast du dann vielleicht um die 3000 € ausgegeben für ein verdammt gutes Weltreise Motorrad. Und wenn es gestohlen wird? Dann kaufst du dir ein neues! Anders als bei den 15.000 € Großmaschinen ist das dann nämlich durchaus möglich.

 

Was denkst du? Was hältst du von der DR? Welche Maschine würdest du bevorzugen ? 



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Kommentare: 6
  • #1

    Heinz (Freitag, 21 Oktober 2016 14:46)

    Bin ganz Eurer Meinung, habe mit meiner Africa Twin (Bj: 2001) und von km 94.000 - 155.000 bis jetzt noch keine nicht vor Ort lösbaren Probleme gehabt. Ist wie ein VW Käfer: läuft und läuft und ....
    Good luck und immer eine handvoll Benzin im Zwischengasbehälter
    Heinz

  • #2

    Werner Willimann (Freitag, 21 Oktober 2016 15:13)

    Ich bin total einig mit dir. Da ich jetzt schon zwei Jabre in Süd Amerika unterwegs bin habe ich jetzt doch schon einiges gesehen und auch erlebt. Ich fuhr im Dezember 2014 in Uruguay mit einer BMW 1200 Gs ADV los und fuhr rund um Süd Amerika 45000 Kilometer. Das Motorrad habe ich in Uruguay von einem Freund übernommen und hatte 90000 Kilometer drauf bei beginn meiner Reise. Adventure ist halt ein grosser Begriff. Nur Auf Asfalt Strassen ist ein so grosses Ding geeignet und off road sind das reine Stressatventure Motorräder. Mir ging so zimlich alles kaputt an dem Gs wo man sich dänken kann. Das fängt an mit Benzinpumpe, Endantrieb Lager und Dichtungen, Kreuzgelenke von der Antriebswelle und der Höhepunkt war die gebrochene Schwinge . Als Maschinenschlosser wusste ich mir immer zu helfen auch im tiefen Amazonas als der Antrieb kaputt war. Fakt ist ich habe den Gs in Uruguay wieder hingestellt und bin nach Hause geflogen und habe mir eine gebrauchte Suzuki drz400 für 2500 Franken aufgebaut und bin jetzt seit März 2016 wieder in Süd Amerika unterwegs. Seit 30000 Kilometer und davon über die Hälfte off rod unterwegs bin ich der glücklichste Mensch und es war eine Top Entscheidung auf den Eintopf um zu steigen. Er läuft und läuft und läuft wie man das eigentlich von einem BMW erwarten sollte. Ich war wochenlang mit DR650 Fahrern unterwegs und alle waren Top zufrieden und alle hatten Spass am Reisen. Von den hohenUnkosten wo ich mit dem GS hatte habe ich noch gar nichts geschrieben. Fakt ist für mich gibt es nur einen Weg eine Adv Reise zu machen ist mit einem leichten Bike mit Soft Bacs und nich zuviel Zuladung. Gruss Werner

  • #3

    thomas (Freitag, 21 Oktober 2016 20:41)

    Hallo zusammen. Bin 2013 bis 2014 in Südamerika gefahren und hatte mir eine Honda Falcon 400 in Brasilien gekauft.Ist eine ,,Eintöpfige'' Reiseenduro Made in Brasil.Binn 20 Tsd km gefahren und war sehr zufrieden. Reichte völlig aus. Bin vielen begegnet ,die auf der Schotterpiste richtig Probleme hatten( Technik, Gewicht). Hier in Deutschland bin ich mehr der XT Typ (Bj 95). Gruss Thomas

  • #4

    Andi (Donnerstag, 12 Januar 2017 16:45)

    Wer die falsche Tenere kauft braucht sich nicht wundern. Für die alten gilt das gleiche wie für die dr und man sieht sie auch noch oft genug unterwegs. Da diese seltener angeboten werden als die Enduros kann man natürlich auch die 600er xt umrüsten, Zubehör gibts genug.

  • #5

    Nisel (Freitag, 29 Dezember 2017 07:08)

    Meine Empfehlung: Honda Inova 125, Honda Wave 100 oder Wave 110, bzw. Ähnliches bike von Yamaha oder Suzuki. Diese Bikes sind robust, einfach und überall sofort und ohne Wartezeit reparierbar, da Ersatzteile Weltweit ohne Wartezeit verfügbar sind. Motorrad ist einfach modifizierbar (z.b. mehr Bodenfreiheit), und kann Teile anderer Motorräder nutzen, fährt im Notfall sogar mit Fahrradreifen. Keine Einreiseprobleme in China, Vietnam usw..., da <125 ccm Maschinen nahezu überall fahren dürfen. Verbrauch 1-2l auf 100kg. bike lässt sich zu zweit auf die schnelle über Bäche, zu massive Geröllfelder tragen oder auf Absätze, Züge, in Gepäckfächer von Reisebussen heben, da leichter 100kg. Von der Größe her ist es mit eine Damenmountainbike zu vergleichen, nur etwas breiter (ca. 20cm). Fährt auch in Tibet, Nepal, am Strand, in Sibirien zuverlässig. Laufleistung bei guter Pflege >99.999km (Tachoende) und die Höchstgeschwindigkeit beträgt etwa 100km/h. Mehr als 40-60 schafft man allerdings bei sehr schlechten Straßen und Gelände meist eh nicht ohne Risiko. Geklaut wird es zudem auch eher nicht.

  • #6

    Giovanni (Dienstag, 06 März 2018 15:14)

    Hallo zusammen,
    wie können Softbags gute Diebstahlsicherung sichern?

    LG aus dem Allgäu